Anhang

 Das Vorwort, wie es in den Notenheften abgedruckt ist

Vierstimmige Choräle werden in erster Linie von Chören gesungen. Jedoch zeichnen sich Bachchoräle durch eine musikalische Einzigartigkeit aus, die eigentlich eine Verbreitung auch unter Instrumentenspielern erwarten ließe. Da ist zum einen ihre polyphone Architektur. Bachchoräle sind vielfach wahre Kunstwerke im Kleinen und werden daher von Bach-Kennern besonders geschätzt. Außerdem ist Bach'sche Musik oft sehr "nach innen gerichtet" und regt Musikliebhaber dazu an, Musikstücke für sich selbst zu spielen.

Auf dem Klavier scheint aber das Choralspiel kaum verbreitet zu sein. Das Audio- und Videoportal Youtube bringt viele von großen Chören mit Begeisterung gesungene Bachchoräle zu Gehör. Von rein instrumental ausgeführten Bachchorälen hört man aber auf diesem Portal fast nichts. Und auch von der großen Sammlung der "371 vierstimmigen Choralgesänge" Bachs scheint am häuslichen Klavier nur zurückhaltend Gebrauch gemacht zu werden.

Forscht man nach den Gründen, so stößt man stets auf zwei Hemmnisse: Zum einen stören die häufig übergroßen Griffabstände den Klavierspieler. Es leidet darunter die Flüssigkeit des Spiels und überhaupt die technische Spielbarkeit. Zum anderen macht sich ein Verlust an Transparenz bemerkbar; denn die Ähnlichkeit des Klangs der vier Klavierstimmen lässt die gerade zwischen den Stimmführungen angelegte polyphone Dynamik nicht sonderlich gut zum Tragen kommen.

Die hiermit vorgelegten drei Notenhefte mit Choralbearbeitungen sollen beide Handikaps überwinden. Gibt man dem Klavierspieler nur drei Stimmen zu spielen, so ist das Problem übergroßer Griffabstände mit Nonen und Dezimen praktisch behoben. Verschiebt man zudem die Melodiestimme vom Sopran in die Tenorlage und überlässt ihr Spiel einem Einzelinstrument, so kommt es beim Klavierspiel zwischen den verbleibenden drei Stimmen meistens zur vorteilhaften Spreizung in einen tiefen und zwei hohe Töne. Das verbessert die Erkennbarkeit der einzelnen Stimmen, also ihre Transparenz. Der elegant-einfache Duktus so mancher Einzelstimme, besonders im Bass, kann damit wieder unmittelbarer nachempfunden werden.

Ob aber durch die genannten, von mir vorgenommenen Eingriffe Wohlklang und "Bachsound" der Stücke überhaupt gelitten haben, können die Leserinnen und Leser leicht selbst beurteilen. Ich habe alle bearbeiteten Bachchoräle beim Videoportal YouTube eingestellt. Man braucht also nur in seinem PC mit dem Browser  –> "www.youtube.com" aufzurufen und dann anhand der Über­schrift des Chorals im Suchfeld von YouTube das Bachwerkeverzeichnis (BWV) und die Nummer einzugeben (z. B. "BWV 320" - Oder: "BWV 245 Herzlich", statt "BWV 245.68"). Sodann rechts auf das Lupensymbol klicken. Die aufgelisteten Vorschläge bringen womöglich gleich den Hinweis »Lieder auf Instrumenten« zum Vorschein, dann kann man gezielt den Choral anklicken. – Allerdings stellt unser inneres Ohr nur bei einem Tonempfang über Kopfhörer den räumlichen Zusammenklang beider Instrumente her (rechts etwa das Klavier, links etwa die Bratsche).

Zur Frage der Abweichungen vom Original: Die Tonart des Chorals habe ich stets neu festgelegt, auch kommen häufig oktavmäßige Tonverschiebungen vor. Im Übrigen aber folgen alle Stimmenverläufe grundsätzlich dem Original, andernfalls wurde ein abweichender Ton mit einem kleinen, rechts angefügten <> kenntlich gemacht. – Alle gelegentlich eingezeich­neten Triller entstammen nicht der Originalvorlage.

Bei der Bearbeitung der Choräle habe ich mich auf zwei Werke gestützt:
o   "371 vierstimmige Choralgesänge von Johann Sebastian Bach", Leipzig (1832),
    Breitkopf & Härtel.
o   "J. S. Bach Chorales, a new comprehensive edition arranged by BWV catalogue", edited by
    Luke Dahn, LuxSitPress 2018 – dies ist gewiss die gründlichste Arbeit auf diesem Gebiet.


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©dahl 2018